…eines der größten Volksfeste Südthüringens

Die historischen Wurzeln

Die historischen Wurzeln des pfingstlichen Festbrauches, des “Eisfelder Kuhschwanzfestes”, sind in den Verteidigungseinrichtungen der mittelalterlichen Stadt zu suchen, die jeden Bürger zwischen dem 18. und 60. Lebensjahr verpflichten, zum Schutz des Gemeinwesens beizutragen, an den wöchentlichen Waffenübungen teilzunehmen und für die Ausrüstung der Mannschaften einen Beitrag zu leisten. 1323 erhielt Eisfeld das Recht, seine “Neustadt” zu befestigen und mit Mauern, Toren und Türmen zu umgeben und nach dem fränkischen Stadtrecht von 1342 war die Bürgerschaft berechtigt, “als Bürger aufzunehmen jeglichen freien Mann”.

16. Jahrhundert – der Beginn des Festes

Nach dem Harnischbuch aus dem Jahre 1555 umfasste die wehrfähige Mannschaft in der Stadt 338 und in den Dörfern des Amtes Eisfeld 301 Personen, die in Rotten gegliedert, von Rottenführern und den Viertelmeistern angeführt und im Gebrauch der Waffen geübt wurden. Die jährliche Musterung klang in einem Wettschießen, dem Scheibenschießen, aus und entwickelte sich ganz selbstständig zu geselligen Zusammenkünften und Volksbelustigungen, die stets gewisse Grundregeln und organisatorische Formen befolgten.

17. Jahrhundert – die ersten Ansätze eines Umzuges

Als Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg angesichts der sich ankündigenden Kriegsgefahr zu Beginn des 17. Jahrhunderts dazu überging, die Verteidigungseinrichtung seines kleinen Landes neu zu ordnen, berief er für den 17. Juni 1608, den dritten Pfingstfeiertag, eine Musterung der sogenannten Ausschüsse nach Eisfeld ein. Auf dem Seerasen – dem heutigen Bahnhofsgelände – exerzierten die beiden Fähnlein mit fast 700 Mann vor dem Landeshauptmann und zogen gegen Abend mit vier Rüstwagen, geführt von Trommlern und Pfeifern, in die Stadt ein wo die Übung mit Scheibenschießen und fröhlichem Treiben ausklang. Den Schrecknissen des Dreißigjährigen Krieges war diese Form des bürgerlichen Selbstschutzes freilich nicht gewachsen, besonders seit das Fürstentum Coburg 1631 seine Neutralität aufgeben musste und Städte und Dörfer der Zerstörungswut durchziehender Truppen bedingungslos ausgeliefert waren.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg

Eisfeld, zweimal total zerstört und auf ein Fünftel seiner Bevölkerung zusammengeschrumpft, konnte erst nach dem Wiederaufbau der Stadtmauer (1664 bis 1673) seine Bürgerwehr neu organisieren. Dennoch blieb das Scheibenschießen am dritten Pfingstfeiertag in der Bevölkerung lebendig, wenn es auch von den Herrschenden nicht immer gern gesehen wurde, besonders dann, wenn sich im Volke antifeudale und demokratische Stimmungen breit machten, wie in den Tagen nationalen Aufschwungs während der Befreiungskriege und während der bürgerlichen Revolution von 1848.

Das erste Gemälde

Den Geist des Volksfestes spiegelt die älteste Darstellung wider. Gemalt von Ernst Friedrich Strassner um 1820, wird der Aufzug der Bürgerwehr in ihren zeitgenössischen Uniformen auf dem Marktplatz vor Augen geführt, bejubelt von den Zuschauern in ihren fränkischen Trachten.

Das 19. Jahrhundert – Die Feuerwehr übernahm die Trägerschaft
1852 wurde die Bürgerwehr verboten und die Feuerwehr übernahm teilweise deren Aufgaben: Schutz bei Feuer- und Wassernot und nicht zuletzt auch die Ausgestaltung des Volksfestes, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen Aufschwung erlebte und erst in dieser Zeit den Namen “Kuhschwanzfest” erhielt.

Woher stammt der Name “Kuhschwanzfest”?

Wie die Sonneberger Zeitung 1885 berichtet, war diese Bezeichnung eine boshafte Anspielung der einstigen Residenzstadt Hildburghausen auf das Fest der “Asfaller Hammelsäck”, bei dem die Festwagen von Ochsen und Kühen gezogen wurden und auf die bäuerliche Tradition Eisfelds, in der einst Schaf- und Rinderzucht und das lederverarbeitende Handwerk, aber auch Leineweberei und Tuchmacherei eine große Rolle gespielt haben.

20. Jahrhundert – Das Kuhschwanzfest auf dem Höhepunkt

Obwohl sich eine bestimmte Festordnung – Feuerwehrübung, Aufzug der Bürgergarde, des Stadtkommandanten und seiner Adjutanten, Trommler- und Pfeiferchor und der aktuelle Festumzug – herausgebildet hatte, so spiegelt doch die phantasievolle Gestaltung der Festwagen auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zeitereignisse wider. Seinen bisherigen Höhepunkt erlebte das Kuhschwanzfest, getragen und geformt von den Vereinen, von der einheimischen Industrie, vor allem der Spielzeugindustrie, von den Handwerksfirmen in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als in den Festumzügen volkstümlicher Witz und Einfallsreichtum und zeitbezogene Aktualität zum Ausdruck kamen, bevor die jahrhundertealte Tradition während der Nazizeit und durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges für lange Zeit erlosch.

Das Kuhschwanzfest zu DDR Zeiten

Das Kuhschwanzfest erstand noch einmal kurz unter lebhafter Resonanz der Bevölkerung 1957/58, konnte sich aber unter dem Druck der gesellschaftlichen Bedingungen nicht behaupten. Es blieb bei Kulturveranstaltungen und einem Rummelplatz an den Pfingstfeiertagen. Allein die Freiwillige Feuerwehr hielt an der traditionellen Feuerwehrübung fest, die sie trotz mancher Widrigkeiten seitens der Obrigkeit am dritten Pfingstfeiertag abzuhalten pflegte. Auch “jenseits der Grenze”, im Lautertal, hatten sich in den Jahrzehnten nach dem Kriegsende immer wieder ehemalige Eisfelder zusammengefunden, um alljährlich zu Pfingsten ein Kuhschwanzfest im Exil zu feiern und so die alte heimatliche Tradition am Leben zu erhalten.

Nach der Wende

1992 gab es in Eisfeld selbst die ersten bescheidenen Ansätze für einen Umzug am dritten Pfingstfeiertag, angeregt und organisiert von der Eisfelder Feuerwehr. Beteiligt waren die Feuerwehr, der Verein “Asfaller Hammelsäck” sowie der Reitsportverein und einige Firmen der Stadt Eisfeld. Natürlich gab es auch ein paar Leute, die diesen Versuch belächelten, aber die Mehrheit begrüßte die Aktion, so dass man beschloss ein Festkomitee, bestehend aus verschiedenen Vereinen und Institutionen der Stadt Eisfeld, zu gründen. Der Kuhschwanz wackelt wieder! Zu danken ist hierbei auch den Bürgern, die am letzten Volksfest Ende der 50-er Jahre teilgenommen hatten und die uns viele Ratschläge gaben. So kam es also nach dem Start 1992 sehr rasch zur Gründung eines Festkomitees, das aus Vertretern verschiedener Eisfelder Vereine und Institutionen besteht und sich in seiner Zusammensetzung über das ganze Jahrzehnt als stabil erwiesen hat. Von Anbeginn an kam der Freiwilligen Feuerwehr Eisfeld bzw. dem Feuerwehrverein eine wichtige Rolle zu, da sie gewissermaßen, der alten Tradition folgend, das Dach für das Komitee und seine Arbeit stellten. Über die wichtigsten Punkte des Festes gab es sehr rasch eine einhellige Meinung. So wurde entschieden, gegen allen Kommerz, das Fest der Eisfelder traditionsgemäß am Dienstag nach Pfingsten, am 3. Feiertag, zu feiern obwohl es sich um einen Werktag handelt. Die Praxis der folgenden Jahre gab dieser Entscheidung recht. In Anlehnung an das historische Festritual wurde der Ablauf des Haupttages des Kuhschwanzfestes, der Dienstag, so gestaltet wie er auch heute noch abläuft. Das Fest beginnt bereits am Pfingstfreitag mit der Öffnung der Schaustellergeschäfte auf dem Volkshausplatz und einer Veranstaltung im Festzelt. Am Pfingstsonnabend erfolgt die offizielle Eröffnung mit dem Festbieranstich. An den folgenden Tagen gibt es vielseitige und abwechslungsreiche Programme im Otto-Ludwig-Garten. Ganz im Zeichen der Tradition steht der Dienstag. Nach dem historischen Festumzug findet das Fest mit Programmen, einem Feuerwerk und dem Begraben des Kuhschwanzes seinen Abschluss. Heute ist das Kuhschwanzfest eines der schönsten und größten Feste Südthüringens, was die steigenden Zuschauerzahlen und das Interesse der Medien beweisen.

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